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Telekom DSL-Drosselung

  -  23.04.2013 - 23:00
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Autor:Thomas Windscheif last edit:02.05.2013 13:45

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Vor einigen Tagen erschien die Meldung, dass die Telekom ab dem 02.Mai die Internet-Flatrates der Festnetzanschlüsse für neu abgeschlossene Verträge ab einem bestimmten Datenverbrauch - abhängig vom gewählten Tarif – drosseln will.

Siehe http://www.telekom.com/medien/produkte-fuer-privatkunden/184370

Es ist schon ein wenig frech ein Produkt Flatrate zu nennen und diesem gleichzeitig Grenzen zu setzen. Es ist zwar “nur“ eine Drosselung (auf light DSL), kommt aber dem Stillstand einer Leitung schon sehr nahe.

Zudem hat die Telekom durch Veränderung ihres Produktsortiments selber dazu beigetragen, dass der Traffic in die Höhe steigt; warum muss ein Telefonie- bzw. Internetprovider nun auch TV anbieten (Video on demand wäre ja noch i. O.) ? Dafür gab es bis dato andere Provider z.B. unitymedia oder Kabel Deutschland die über die Koaxial-Kabel eben dieses erfüllten.

Wenn man nun also bei einem anderem Streaming-Portal seine Filme in HD anschauen will und man das nicht über Entertain macht, muss man, um nicht ständig nach Verbrauch des "Freivolumens" den Ladebalken zu bewundern seine Gigabytes dazu kaufen, das kann nicht netzneutral sein und ist bestimmt auch nicht im Sinne des Wettbewerbs.

Nebenbei:
Die Telekom hat nach Jahren des Schlummerns viele Kunden nach und nach telefonisch kontaktiert und ihnen erzählt, dass es neue Tarife gibt (vorher war es üblich die Kunden auf den alten Tarifen mit geringerer Datentransferrate bei vergleichsweise höheren Kosten sitzen zu lassen). Jetzt werden die Leitungen teilweise „upgegraded“ und dann passiert etwas Witziges:
Die Leitungen gehen gar nicht mehr. WARUM?
Weil die alten Router bzw. Modems die mit Abschluss des alten Tarifs geliefert wurden teilweise noch ADSL-Modems haben bzw. sind, die leider bei höheren Datenraten nicht funktionieren (man benötigt ADSL2/ADSL2+-Modems bei nicht All-IP-Anschlüssen), die netten Damen bzw. Herren am Hörer sagen den Kunden aber bei Vetragsabschluss bzw. Upgrade immer, dass sich eigentlich gar nichts ändert außer das alles schneller wird. Das „zwingt“ die Kunden schließlich dazu wieder bei der Telekom anzurufen um dann entweder den neuen Router (je nach Modell locker über 100 EUR) zu kaufen oder diesen zu mieten (je nach Modell ab 3,95 EUR mtl.; mit laufzeitabhängigen Rabatten). Übrigens ein normaler Modem-Router (ohne TK-Funktionen: also ISDN-a/b-Wandler, mit WLAN + ADSL2+-Modem) liegt preislich etwa bei 60 - 70 EUR beim Fachhandel.

Das aber nur nebenbei. Wieder zum Thema.

Mich persönlich würde die Meinung der Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde zu diesem Thema interessieren. Diese hat u. A. versucht die tatsächliche Netzqualität zu ermitteln.
(siehe http://www.initiative-netzqualitaet.de/startseite/)
Bzgl. der Drosslung fand ich nach einiger Recherche folgende Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen Herrn Torben Reichert und der BNA (siehe
https://fragdenstaat.de/a/3713). Bisher ohne ergiebige Antwort.

Jetzt muss man der Telekom aber zugute halten, dass sie als eines der wenigen Unternehmen noch über eigene Techniker verfügt und nicht alles an irgendwelche pseudo-kompetenten Subunternehmer ausgelagert hat. Im Allgemeinen entstört die Telekom auch schnell (wenn man überlegt wie viele Kilometer Leitung sie verwaltet). Die Telekom ist auch eines der wenigen Unternehmen die sich im Bandbreitenausbau in ländlichen Gebieten bemühen (natürlich nicht ohne Fördermittel bzw. bei zu geringer Abnehmerzahl) und es auch können bzw. machen (es gibt mehrere angegliederte Unternehmen der Telekom mit Glasfasertechnikern). Andere dagegen fürchten die entstehenden Kosten und reagieren erst gar nicht (es ist ja nicht so, dass die Städte und Kommunen nicht die Anbieter anschreiben würden, nachdem die Bandbreiten-Bestandserhebungen durchgeführt wurden).

Um jetzt aber klarzustellen:
Grundsätzlich würde ich persönlich für den Otto-Normal-Verbraucher trotzdem die Telekom empfehlen. Bei all den Providern mit denen ich bisher Kontakt hatte (u. A. unitymedia, 1und1, Alice / AOL, freenet, vodafone u. v. m.), sind die Mitarbeiter der Telekom (sei es nun der telefonische Kontakt oder der lebendige Techniker) immer noch am liebsten. Auch wenn man diese manchmal arg nachdrücklich zu etwas zwingen musste.

Gegen die Flatrate-Drosselung bin ich dennoch und um der Telekom zu zeigen, dass die Verbraucher nicht immer alles ignorieren was mit ihnen gemacht wird, hier noch ein Link zu zwei Online-Petitionen:

https://www.openpetition.de/petition/online/keine-faktische-internetsperre-durch-die-telekom-nach-datenvolumen


https://www.change.org/de/Petitionen/deutsche-telekom-ag-drosselung-der-surfgeschwindigkeit-stoppen


UPDATE 02.05.2013: Nun sollen 2018 generell alle Teilnehmer die neuen AGB akzeptieren müssen, weil die Telekom alle Verträge auf ALL-IP umzustellen will. Jetzt kommt aber der größte Witz:
Laut Aussage von Hrn van Damme (Deutschland-Chef Telekom) "[..]hat IP entscheidende Vorteile, etwa bessere Sprachqualität sowie zwei Leitungen und bis zu zehn Rufnummern und das bis zu vier Euro billiger".

Aja, bessere Sprachqualität. Wenn mich nicht alles täuscht ist die Bit-Rate bei einer VoIP-Verbindung variabel und u. A. davon abhängig wie viel Ressourcen zur Verfügung stehen (Leitung zu den Teilnehmern, Serverauslastung) außerdem lässt sich die Qualität jederzeit von außen durch QoS-ähnliche Dienste einstellen (z. B. um Geschäftskunden zu bevorzugen). Auch heute kann man schon zwei oder mehr Leitungen verwenden (bei ISDN, bei mehreren NTBA), der große Vorteil hier: die Leitung wird durchgeschaltet, d.h. es gibt eine Punkt-zu-(Mehr)punkt-Verbindung (die Qualität ist immer gleichbeibend und weitesgehend störungsfrei da digital), ISDN ist außerdem ein sehr robustes Protokoll und ein in Deutschland ausgebautes System.
Über analoge Telefone sowie ISDN-Telefone (die einen Notbetrieb ermöglichen) kann man z. B. auch bei Stromausfällen im Haus (oder Katastrophen) noch eine ganze Weile telefonieren (solange das Dieselaggregat im HVT noch Sprit hat, dafür gibt es Katastrophenschutz-Pläne). Fax-Übertragungen lassen sich sowohl über analoges als auch digitales ISDN-Telefonnetz problemlos abwickeln.
Bei VoIP fangen hier die ersten Probleme an.
Um im Notfall telefonieren zu können, muss ein Router da sein der das Signal auf IP umsetzt (der benötigt auf Seiten der Teilnehmer eine Stromversorgung). Fax über VoIP ist auch sehr problematisch, weil wie eben schon angesprochen die VoIP-Leitungen variable Bitraten haben und das Faxprotokoll sehr empfindlich ist. (I. d. R. bekommt man nach stundenlangen Telefonaten von der Telekom wenn man eine VoIP-Leitung verwendet entweder eine feste Bitrate oder einen Router der besser mit Aussetzern umgehen kann, damit man halbwegs faxen kann.)

Außerdem: Heute - bei einem analogen bzw. ISDN-Anschluss - kann man meistens noch telefonieren, wenn das Internet nicht funktioniert, weil die beiden Protokolle einzeln auf die Leitung durch Frequenzsplitting vom HVT aus zugeschaltet werden (der DSL-Splitter trennt die Signale wieder voneinander). Beide Leitungen fallen nur bei schweren Gewittern in mittelbarer Nähe aus, das DSL-Signal im Gegensatz zum ISDN-/Analog-Signal dagegen häufiger. Da nun bei den All-IP-Anschlüssen ausschließlich über das Internet telefoniert wird, wäre bei einem Defekt des Routers oder der Leitung keinerlei Telefonie mehr möglich.

Zum Thema 4 Euro günstiger:
Klar das ist schön aber gefühlt unverhältnismäßig, die Telekom spart sich in Zukunft Milliarden wenn die "alte" solide Technik wie ISDN oder Analog-Technik nicht mehr gewartet werden muss (die verwendeten Bauteile sind im Vergleich zu All-IP bzw. IP-Komponenten richtig teuer, außerdem müssen die Techniker mit komplizierterer Technik geschult werden). Wieviel das aber nun in Wirklichkeit der Telekom einspart kann ich nicht sagen, aber diese Pauschalaussagen von Herrn. van Damme kann man so nicht stehen lassen. Die alten TK-Anlagentechniker (der Siemens Hicom, Auerbach, etc.) werden mir da sicherlich zustimmen.






Über den Autor
Thomas Windscheif arbeitet bei excITe Consulting und ist langjähriger Berater im Bereich IT-Infrastruktur und Groupware. Sowohl Kleinunternehmen z. B. im Handwerk als auch der größere fertigende Mittelstand gehören zu seinem Projektumfeld. Im Wesentlichen gehören die Planung von Infrastruktur-Migrationen (Novell/Micro Focus, Microsoft), Cloud-Lösungen (Office365), Groupware-Umgebungen (z. B. Exchange) und deren Umsetzung zu seinen Aufgaben. Neues begeistert ihn aber ebenso und so unterstützt Thomas Windscheif auch bei themenfremden IT-Systemen, überall da wo er helfen kann.

Sein Ziel: Die Mehrwerte der heutigen IT-Lösungen für einfacheres und modernes Arbeiten beim Kunden einbringen.

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